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The T A P I S S E R I E
“FALLEN SHARDS”
by harry clark

Der Auftrag und der Entwurf

Für den krönenden Abschluss des Projekts „Victorian Townhouse Reinvented“ https://www.harryclarkinterior.com/de/projekt/victoriantownhousereinvented/ erfüllten sich die Auftraggeber den lang gehegten Traum einer Tapisserie im Verständnis als eine der ältesten materiellen Kulturtechniken der Menschheit und angewendet in der ästhetischen Farb- und Formensprache von harryclarkinterior. Schnell zeichnete sich ab: Aus diesem Wunsch entsteht ein eigenständiges Projekt.

 

Als Arbeitsgrundlage konzipierte und zeichnete harry clark einen Entwurf mit Bleistift, Aquarellfarben und Holzbuntstiften auf Büttenkarton, der die Parameter der Raumgestaltung aufnimmt, ein Werk mit autonomem Charakter innerhalb der Gesamtkonzeption darstellt und sich als integralen Teil der Architektur versteht.Galerie-Tapestry-von-der-Skizze-bis-zum-fertigen-Wandteppich-by-harry-clark

 

Für die Umsetzung konnte nach intensiven Vorbereitungen und der Beschäftigung mit dem weit umfassenden und facettenreichen Thema das Tapisserie-Studio des renommierten West Dean College https://www.westdean.org.uk / https://www.westdean.org.uk/study/school-of-arts/tapestry-studio nahe Chichester in West Sussex, England gewonnen werden und somit das Projekt in monatlichen Besprechungen und Abstimmungen verwirklicht werden.

 

Die Beschreibung und die Umsetzung

Die Maße der Tapisserie sind 185 cm x 125 cm – die Größe, für den vorgesehenen Platz. Die geometrische Grundform der „Falling Shards“ ist eine geschliffene, diamantenähnliche Glasscherbe, deren Farbe im freien Fall vom Licht in unterschiedlichsten Reflexionen und Verläufen gebrochen wird – ein Stilelement, das sich wie ein roter Faden durch die Gesamtkonzeption des Townhouses zieht.

Der skizzenhafte und in Teilen flüchtig gehaltene Entwurf, lies kreativen Spielraum für webtechnische und -kreative Möglichkeiten bei der umsetzenden Gestaltung, insbesondere für die Strukturen und Farb-Fäden-Mischungen, mit der wechselseitigen Durchdringung der Farben und ihren Nuancierungen. Dies wiederum ein Verweis auf die Integration in die Architektur, mit einer formalen und rhythmischen Texturierung und einem komplexen Wechselspiel zwischen horizontalen, vertikalen und diagonalen Komponenten.

Eigens gefärbte und verschiedenfarbige Fäden wurden so miteinander versponnen, damit, wie in der Musik, sich die Linien, Farben und Formen wie einzelne Töne, ganze Akkorde, wie Kadenzen und Melodienstränge miteinander zu einer durchdachten Komposition verknüpfen und eine mehrdimensionale Struktur bilden. So wurde aus einem abstrakten Gedanken im Weben ein Akt des dreidimensionalen Zeichnens und Malens, der in den „Falling Shards“ sinnlich wahrnehmbar und erfahrbar wird.

 

Der Weber und das ... College / Studio

Phil Sanderson, „leader oft he West dean Tapestry Studio“,  https://www.westdean.org.uk/study/tutors/philip-sanderson, besitzt eine lange, profunde Erfahrung und eine künstlerische Expertise mit vielen Aufträgen von Künstler:innen und Kulturstätten, die dank seines Könnens und Wissens ihre Werke haben umsetzen können. Nicht zu vergessen sind seine eigenen Arbeiten, die ihn als versierten Handwerker und Techniker in Kombination mit einer scharfen Wahrnehmungsgabe und einer hoch ausgebildeten künstlerischen Sensibilität als Meister seines Fachs auszeichnen.

In seinem Metier ist er ist Interpret, Dolmetscher, Vermittler, Verknüpfer, der die ihm vorgelegten Partituren in Textilkunst transponiert und dazu seiner eigenen Einbildungskraft folgt. Dabei ist er ist nicht nur Ausführender. Sein Tun geht weit darüber hinaus.

Auf dieser Basis entwickelt sich die enge Arbeits-Gestaltungs-Atmosphäre zwischen Künstler, Weber und Auftraggeber: ein kreatives Miteinander, Streiten, Diskutieren, Verständigen, Ausprobieren – ein reicher Erfahrungsaustausch – ein fruchtbarer Dialog. In diesem dynamischen, radikal konstruktiven und produktiven Beziehungsgeflecht entsteht eine gemeinsame, eigenständige Schöpfung, die den im Entwurf enthaltenen Potenzialen Ausdruckskraft verleiht.

Galerie-Harry-Clark-und-Weber-am-Webstuhl

 

Der Webstuhl und die Fäden

Weben und Spinnen haben eine jahrhundertealte Geschichte. Sie sind eine der ersten von Menschen gemachte Technologien, deren Produkt nomadisch leicht zu transportieren ist und neben den funktionalen Aspekten schon immer verschiedene ästhetische Ebenen in sich vereint. Viele Geschichten und Gespräche flossen und fließen in ein einzelnes Produkt und machen ihren zusätzlichen Reiz aus.

 

Wie zu allen Zeiten besteht das Gewebe in der Grundstruktur aus „Kette“ und „Schuss“ – zwei Fadensysteme eines dreidimensionalen Gitters, die auf einem waagerechten Basselisse-Webstuhl miteinander zur Bindung verkreuzt werden. Hierbei ist die „Kette“ das vertikale Grundgitter, die Grundkonstruktion, Träger und Unterlage aus gespannten Wollfäden, die verschwinden und der „Schuss“ die horizontalen, sichtbaren, verschieden gefärbten Wollfäden, die das Bild des Wandteppichs ergeben.

 

Für das Spiel mit den Fäden, der Dicke der Fäden, der Färbung des Materials, verschiedenen Materialitäten, Materialverdichtungen und Leerstellen wird der Entwurf auf die finalen Maße des Wandteppichs vergrößert und liegt für den Weber immer sichtbar hinter seinem Webstuhl.

Tapisserie-Farben-Wolle-Spindeln-Schiffe-Wandteppich-Farbgestaltung-l-by-harry-clark

 

Hinweise und Empfehlungen

Erst seit wenigen Jahren rückt das Thema „Wandteppich“ bzw. „Tapisserie“ wieder verstärkt in das Scheinwerferlicht kulturellen Bewusstseins. Es erlebt eine Renaissance, die das unberechtigte Schattendasein letzter Jahrzehnte beendet.

Hier ein paar ausgesuchte, exemplarische Beispiele:

Die Fäden der Moderne – Kunsthalle München:

„Matisse, Picasso, Miró ... und die französischen Gobelins“

 

https://www.kunsthalle-muc.de/ausstellungen/details/die-faeden-der-moderne/

 

Hella Jongerius – Gropius Bau Berlin:

„Durch KOSMOS WEBEN versuche ich, die kulturelle Bedeutung des Webens – über Materialien und Technik hinaus – zu verstehen, mit Fragen von Nachhaltigkeit, sozialer Verantwortung und Spiritualität.“

 

https://www.berlinerfestspiele.de/de/berliner-festspiele/programm/bfs-gesamtprogramm/programmdetail_331289.html

 

La Maison PINTON – Tapisserie et tapis d’Aubusson depuis 1867 :

„…150 years dedicated to perfection have made PINTON one of today’s leading names in exceptional carpets, rugs and tapestries…”

“…search for perfection has always driven PINTON to innovate. The workshop is equipped with all the most cutting-edge technology necessary for contemporary design. Therefore, any material, such as metal threads or lurex, can be blended with traditional wool or silk threads produced in local weaving factories…”

 

https://www.pinton1867.com/maison-pinton-art-matiere/

 

Maria Lai – Ulassai /Sardinien:

“Kunst ist, Dinge miteinander zu verbinden, in Beziehung zu setzen, ohne ihnen ihre Eigenart zu nehmen.“

„Essere è tessere – Sein heißt Weben, Spinnen, Flechten, Sticken.“

 

https://www.sardinien.de/brief-aus-sardinien/maria-lai und https://cluverius.com/sein-heisst-weben

harry-clark-vor-dem-cottage westdean college tapestry

Die Schlussbemerkung

Das jeweilige Rahmenprogramm der Termine im Tapisserie-Studio soll hier nicht unerwähnt blieben. Das College, ein Herrenhaus mit Feuerstein-Fassade, dessen Geschichte bis ins 11. Jh. Zurückreich und u.a. durch die berühmte Romanze von Queen Elizabeth I. und dem Earl of Essex verbunden ist.

Der Landsitz  ist umgeben von einer englischen Bilderbuchlandschaft, den grünen Hügeln der South Downs, mit weidenden Schafe, die derart pittoresk verteilt sind, als würden sie von einer Regie auf die für sie markierten Plätze eilen, sobald die Betrachter der Landschaft ihre Aufmerksamkeit schenken https://www.westdean.org.uk/gardens.

Nach den Terminen wurde sich in einem nahegelegenen malerischen Pub und Restaurant „The Fox Goes Free“ am Ende einer schmalen Landstraße gestärkt, in der kleinen Ortschaft Charlton https://www.thefoxgoesfree.com, mit einer entspannten Atmosphäre und ausgezeichneten Küche – die sogar auf alle möglichen Vorlieben und Allergien köstlich Rücksicht nimmt.

Schöner können Umstände von Arbeitsprojekten kaum sein.

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